Station Feldhecken

Hecken - vielfältige Lebensräume

Die Hecken entlang des Spurbahnweges haben Brodowiner Bürgerinnen und Bürger Anfang der 1990er Jahre angelegt. Reiner Krause, ein Gründungsmitglied des Ökodorf-Vereins, leitete diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM). Insgesamt wurden damals Hecken aus einheimischen Gehölzen mit einer Gesamtlänge von 14 Kilometern neu gepflanzt.


Aber – wozu das alles?
Feldhecken in der Agrarlandschaft sind mehr als eine Wohltat für das menschliche Auge. Sie bieten Schutz vor Wind und Bodenerosion und erhöhen die Luftfeuchtigkeit auf den angrenzenden Feldern. Davon profitiert die Landwirtschaft. Zugleich dienen Hecken vielen Wildtieren als Rückzugsraum, etwa Feldhasen, Igeln und den schönen Schlehenzipfelfaltern.


Versteckt im Geäst der Hecken brüten Vögel wie Neuntöter, Klapper-, Dorn- und Sperbergrasmücke, Gold- und Grauammer, Gelbspötter, Wendehals und andere. Besonders typisch und auffällig ist der Neuntöter, der von Busch- und Baumspitzen aus Großkäfer, Schmetterlinge und andere Großinsekten jagt. Selbst Eidechsen, kleine Mäuse und Vögel stehen auf seiner Beuteliste.

 

Kennzeichnend für diesen knapp starengroßen Vogel sind die schwarze Räubermaske am grau-weißen Kopf, der rotbraune Rücken und im Flug die weißen Felder an den Schwanzseiten. In Schönwetterperioden, wenn der Neuntöter mehr Beutetiere fängt, als er braucht, legt er Vorräte
an. Dann spießt er seine Beute auf Dornen auf – um sich in Schlechtwetterperioden daran zu bedienen. Auf der Gemarkung Brodowin brüten über 100 Neuntöter-Paare, die Nester liegen mitunter nur 20 bis 25 m auseinander – eine ungewöhnlich hohe Dichte!


Eine vogelkundliche Besonderheit ist – noch? – die seltene Sperbergrasmücke. Anfang der 2000er Jahre brütete sie häufig am Kossäten-Rundweg. Inzwischen (Stand 2018) ist sie fast verschwunden. Die Ursachen liegen wahrscheinlich nicht hier im Brutgebiet, sondern in den
ostafrikanischen Winterquartieren. Denn hier in Brodowin findet sie alles, was sie braucht: Viele Insekten, dichte Dorngebüsche, einzelne höhere Bäume als Singwarten und vor allem: viele Neuntöter. Denn Sperbergrasmücken suchen den Schutz der wehrhaften Neuntöter, um zu brüten. Oft liegen die Nester direkt nebeneinander. Vielleicht nutzen die Sperbergrasmücken bei schlechtem Wetter auch die Vorräte der Neuntöter. Aber das ist bisher nicht bewiesen.

 

Feldhecken müssen gepflegt werden, um dauerhaft zu bestehen. Wenn sie nicht alle acht bis zwölf Jahre „auf den Stock gesetzt“, also direkt über der Erde abgesägt werden, setzen sich die Bäume durch. Dann bekommen die niedrigeren Dorngebüsche nicht mehr genug Licht und werden verdrängt – es entsteht ein Waldstreifen, dem die typischen Heckenvögel und übrigen Heckentiere weitgehend fehlen. Zudem wachsen ungepflegte Hecken immer weiter in die Felder hinein.


Der Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin und der Ökodorf Brodowin e.V. entwickeln deshalb gemeinsam praktikable Methoden für die Heckenpflege und erproben sie. In etwa zehnjährigem Abstand werden einzelne Bäume entnommen und die Gebüsche zurückgeschnitten.


Lerchenparadies

In den Feldern beidseitig des Spurbahnweges werden verschiedene Getreidesorten, Lupine und selten auch Futtermais angebaut. In mindestens einem Drittel der Jahre wächst hier Kleegras. Kleegras ist ein Gemenge aus verschiedenen Gras- und Kleesorten und im Ökolandbau ein sehr wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge, weil Klee und Luzerne über ihre Wurzelknollen Stickstoff im Boden anreichern und so die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Das Schnittgut dient in Form von Heu oder Silage als Futter für die Milchkühe.


Kleegrasflächen sind sehr blütenreich und deshalb ein guter Lebensraum für Insekten, Feldvögel, Amphibien und andere. Die Dichte der Feldlerchen ist hier besonders hoch. Allerdings werden Kleegrasflächen drei- bis viermal im Jahr gemäht und dadurch viele Tiere getötet. Ökodorf-Verein und Landwirtschaftsbetrieb erproben seit Ende der 1990er Jahre Verfahren, wie die häufige Mahd und der Naturschutz besser in Einklang zu bringen sind. Dabei spielen der Abstand zwischen erster und zweiter Mahd, die Schnitthöhe, die Mahdtechnik und Brachestreifen eine wichtige Rolle (Details siehe: Fuchs, S. & K. Stein-Bachinger 2008).


Steine, die aus dem Boden wachsen

Die vielen Feldsteine in der Landschaft kamen einst mit den Gletschern aus Skandinavien. Sie ruhen nun in den Böden der Grund- und Endmoränen. Durch den Frost werden immer wieder Steine nach oben gedrückt und müssen abgesammelt werden. Sie wurden und werden am Feldrand abgelagert und bilden hier die typischen Lesesteinhaufen. Von der Sonne beschienen, wärmen sie sich im Frühjahr schnell auf und speichern die Wärme. Lesesteinhaufen dienen deshalb oft als Unterschlupf für Frösche, Kröten, Laufkäfer und andere Kleintiere sowie als Lebensraum von Zauneidechsen.